(K)ein Grund zum Feiern

Nun ist es also tatsächlich passiert. Die Gauklerinsel ist fertig. Um kurz nach eins in der Nacht habe ich die letzten Wörter geschrieben, und das sogar zweimal, denn ich kann mich nicht entscheiden, wie der letzte Satz lauten soll: Vor ihnen war Nebel oder Vor ihnen lag Nebel. Zur Sicherheit habe ich beide Versionen abgespeichert, mir gefällt die erste Fassung etwas besser, meinem Freund die zweite. Und eigentlich sollte ich mich jetzt freuen und ein bißchen feiern, einen guten Wein aufmachen oder so – aber statt dessen bin ich das Heulende ElendTM. Ich fühle mich leer, ausgelutscht, aufgebraucht, und kann mir nicht vorstellen, jemals wieder auch nur ein Wort zu schreiben.

Ich habe noch nie ein so langes in sich abgeschlossenes Buch geschrieben. Gut, die Spinnwebstadt hat ein paar Seiten mehr, hundert oder so, aber die war in vier Einzelbände aufgeteilt, die jeweils einzeln für fertig erklärt wurden. Das gleiche gilt auch für die einzelnen Elomaran-Bücher. Aber nach vier Jahren, achthundert Seiten, einfach so Tschö sagen, das geht nicht. Statt mich zu freuen, bin ich in Trauer. Eigentlich sollte ich noch schreiben, nicht an der Gauklerinsel, sondern an den anderen Geschichten, ich will diesen Monat noch mindestens zweitausend Wörter schreiben, besser mehr, aber ich kann nicht.… Weiterlesen

Der lange Abschied

Ende Dezember hatte ich ihn schonmal, den End-of-Book-Blues. Da war Geigenzauber so gut wie fertig, und es ging mir an die Nieren. Aber das ist kein Vergleich zu dem, wie es mir jetzt geht. Ich stehe kurz vor dem Ende der Gauklerinsel, nur noch der fehlende Epilog steht zwischen mir und dem magischen Wort ‚Finis‘. Und ich gebe mich dem entsetzlichen Heulen und Zähneklappern hin. Dieses Buch ist mir so sehr ans Herz gewachsen, ich liebe es über alles, und die Vorstellung, daß auf einmal alles vorbei sein soll, tut mir weh. Ich liebe meine Figuren, Rosi, Trotzki, Shaun, den Blonden, Maris, das Kind, alle, bis hin zur kleinsten Nebenfigur. Es soll nicht vorbei sein, nicht einfach so, nicht schon jetzt… Es macht eben doch einen Unterschied, ob man sieben Wochen an einem Buch schreibt oder vier Jahre.

Die ersten Wurzeln der Gauklerinsel liegen sogar noch länger zurück: Die Insel selbst ist zumindest dem Namen nach eine Idee, die ich im sechsten Schuljahr hatte, also 1986, und Rosi entstand für ein Briefrollenspiel, an dem ich 2001 teilgenommen habe, und auch Shaun ist damals entwickelt worden, und ich wußte immer, auch nach dem Ende des Rollenspiels, daß ich mit den beiden noch was machen will.… Weiterlesen

Panik vor Mitternacht, oder: Albatros!

Mein Laptop ist kaputt. Ärgerliche Sache, das: Eigentlich ist der Techniker nur gekommen, um mein Motherboard auszutauschen, denn der Akku wurde nicht mehr richtig geladen. Ansonsten lief das Gerät aber gut, und ich konnte zumindest im Netzbetrieb daran arbeiten wie gewohnt. Nur als der Techniker fertig war und alles wieder zusammengebaut hat, erkannte der Laptop seine Tastatur nicht mehr und wollte auch nicht mehr hochfahren. Und weil der Techniker nur auf Motherboard eingerichtet war und nicht auf Tastatur, ist er wieder gefahren, um später wiederzukommen. Das war Freitag, und obwohl ich für teures Geld ein Next-Workday-Servicepaket gebucht habe, wird das ganze natürlich erst morgen in Ordnung gebracht.

Bis dahin arbeite ich an meinem alten Laptop. Den habe ich immer gern gehabt, auch wenn die Tastatur ziemlich klappert im Vergleich zu meinem neuen und der Proz langsamer ist, es ist auch nur Gnome drauf installiert und nicht KDE, woran ich gewohnt bin – die Hardware reicht nicht mehr aus, um ein aktuelles KDE flüssig zu betreiben. Vor allem aber hat der Einschaltknopf einen Wackler, und das Teil fährt nur noch hoch, wenn es gerade Lust hat. Am Freitag habe ich ihn in Gang gebracht, und seitdem läuft er im Dauerbetrieb, stehts nachts im Wohnzimmer auf dem Tisch, damit mich sein Brummen nicht beim Schlafen stört.… Weiterlesen

Alles griechisch, oder was?

Auf der Gauklerinsel bahnen sich Probleme an. Geplant sind noch vier weitere Kapitel, Plot habe ich aber eigentlich nur für drei. Ich habe schon gestreckt, was zu strecken war, aber so kurz vor dem Ende muß das Buch an Fahrt gewinnen und nicht noch abbremsen. Was lesen Leser lieber – ein Buch, das streng durchorganisiert und strukturiert ist und sich genau an seine Abmessungen hält, daber aber gegen Ende hin künstlich aufgebläht und langweilig ist, oder ein Buch, dessen letzter Teil kürzer ist als die vorhergegangenen, aber dafür saftig und knackig? Keine Frage, der Leser will unterhalten werden, seine eigene Spannung ist ihm wichtiger als irgendwelche Formalien. Ich könnte also ganz einfach hingehen und sagen, kein Ding, dann hat der sechste Teil eben nur vier Kapitel statt fünf. Doch so einfach ist das nicht.

Ich bin ritualbessen, strukturfixiert, und suche in allem Muster und Symmetrie. Damit kann man leben, sogar wenn es ums Schreiben geht. Problematisch wurde es noch nicht einmal, als ich erkannte, wie sehr die Gauklerinsel in ihrem Aufbau der klassischen griechischen Tragödie ähnelt: Ein Prolog, dann, unterbrochen von Zwischenspielen, sechs Blöcke à fünf Kapitel, und am Schluß kommt ein Epilog. Wie schön symmetrisch! Wie schön strukturiert! Nicht, daß das irgend einem Leser mal auffallen würde, denn sowas interpretiert man nur in seine Schullektüren hinein, und dafür ist dieses Buch zu dick, aber trotzdem war es geeignet, mir ein Ansehen zu geben, wenn ich beläufig erwähne, daß die Gauklerinsel doch aufgebaut ist wie eine Drama mit Versen und Chori, und daß sie am Ende auf die Katastrophe hinsteuert, ganz wie es muß bei den Griechen…

Ehrlich, ich kann mit griechischen Tradödien nicht viel anfangen, was das betrifft.… Weiterlesen

Wat kütt? Dat kütt!

Akut leide ich unter Buchschlußpanik. So nenne ich es, wenn ich mit einem Projekt in den letzten Zügen liege und absehbar ist, daß ich mich von einer liebgewordenen Story und noch lieber gewordenen Figuren verabschieden muß. Aber hier trifft das Ganze auch noch mit dem Jahresende zusammen, die Guten VorsätzeTM stehen ins Haus, und im 2011 gedenke ich nicht weniger als 500.000 Wörter zu schreiben – also, was tue ich, wenn Geigenzauber fertig ist? Antwort: Das, was ich jeden Tag tue: Die Weltherrschaft erobern! Nein, Spaß beiseite: Hier ist ein Überblick über meine Werke in Arbeit und die Kopfkinder, an denen ich im kommenden Jahr zu arbeiten gedenke.

Die Gauklerinsel
Eigentlich träume ich davon, dieses Buch noch 2010 fertigzuschreiben, aber ehrlich gesagt sieht es mehr danach aus, als ob ich den Schluß mit ins neue Jahr nehme: In dieser klaustrophoben Mantel-und-Degen-Fantasy mit sozialdarwinistischem Touch treffen der einäugige Bandit Roashan, sein ausgesprochen toter Kumpel Shaun und die verrückte Halbmeerfrau Maris erst auf Verschwörer, dann auf die Zitadelle und endlich auf die Edlen, welche die Geschicke aller Menschen auf der Insel bestimmen. Bitterer Humor trifft auf bitteren Ernst, Terry Pratchett auf Dashiell Hammett, liebevoll verpackt in Form und Rahmen einer griechischen Tragödie. Gegenwärtig vielleicht das Beste, was ich jemals geschrieben habe, aber in jedem Fall das, was durch die Bank die besten Leserreaktionen hervorgerufen hat.… Weiterlesen

Gib mich den Hattrick

Zugegeben, viel Jahr ist nicht mehr übrig von 2010. Wir haben jetzt Dezember, und wenn der auch auf den ersten Blick 31 Tage hat (ja, auch auf den zweiten und auf jeden anderen), fallen doch viele davon schreibtechnisch weg – an zwei Wochenenden besuchen wir Freunde, dann kommt Weihnachten, dann kommt Silvester, und dann haben wir auch schon 2011. Trotzdem habe ich beschlossen, in diesem Jahr noch großes zu vollbringen und mir mit einem literarischen Hattrick Unsterblichkeit zu erkaufen.

Falkenwinter ist am 31. Oktober fertig geworden, aber das reicht mir nicht. Die Elomaran sollen erst einmal ruhen, was die Vermittlung angeht, die Erfahrung hat gezeigt, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, als Erstautorin mit einem Zyklus in sich nicht abgeschlossener Bände den Buchmarkt zu stürmen. Gesucht wird daher der perfekte Einbänder, und den habe ich auch mit der Gauklerinsel – aber die hat einen kleinen Schönheitsfehler: Sie ist noch nicht fertig. Gute vier Kapitel fehlen noch und ein kurzer Epilog, und ich habe meinen Agenten und vor allem mir selbst versprochen, daß das Buch noch in diesem Jahr fertig ist.

Und weil es Sinn macht, noch ein zweites Eisen im Feuer zu haben und eine andere Schiene zu bedienen, zum Beispiel das Jugendbuchsegment, soll auch mein Geigenzauber fertig werden.… Weiterlesen

Ein Pakt, in Blut geschrieben

So groß waren meine Pläne für den Oktober: Weil ich im November wie in jedem Jahr am Nanowrimo teilnehmen will, was bedeutet, daß ich etwas völlig neues schreibe und meine anderen Projekte ruhen lasse, habe ich beschlossen, Falkenwinter noch im Oktober zuende zu schreiben. Und, wo ich gerade dabei bin, auch noch Die Gauklerinsel. Das bedeutet: Drei Kapitel Elomaran, sechseinhalb Kapitel Gaukler. Vielleicht etwas zu gewagt, und im Moment sieht es nicht aus, als ob ich beides noch schaffen kann. Falkenwinter liegt gut im Rennen, aber für das zweite Buch wird es vermutlich nicht mehr reichen. Und das ärgert mich.

Der Hintergrund ist gar nicht so lustig: Es ist nämlich ziemlich schwer, wenn nicht ein Ding der Unmöglichkeit, als Erstautorin ohne vorherige Veröffentlichung gleich einen Verlagsvertrag für einen umfangreichen Zyklus zu bekommen, egal ob der nun zehn Bände hat oder nur fünf. Ich bin daher mit meiner Agentur übereingekommen, daß wir die Elomaran ein bißchen zurückstellen und statt dessen versuchen, mein Debüt mit einem Einbänder anzugehen. Ich weiß genau, welches Buch das sein soll: Die Gauklerinsel ist für mich im Moment das Beste, was ich jemals geschrieben habe. Sie hat nur einen Schönheitsfehler: Sie ist noch nicht fertig.

Bis zur Buchmesse in Leipzig ist es noch ein paar Monate hin, aber bis dahin soll meine Agentur das Buch anbieten können, überarbeitet und perfekt.… Weiterlesen

Just a little bit of history repeating …

Eigentlich ist es der Running-Gag schon seit Nano-Zeiten. Am 10. November verkündete ich im internen Wortzahlen-Thread: »Der letzte Plot wird verheizt!«. Seitdem habe ich an meinem derzeitigen Vergüngungswerk, der »Gauklerinsel«, knapp hunderttausend Wörter geschrieben, schätzungsweise 400 Seiten, und im Tagesrhythmus habe ich verkündet: »Der Plot ist alle!« – es grenzt an ein Wunder. Tatsächlich habe ich es immer wieder fertiggebracht, mir zumindest die nächste Szene auszudenken, und dann die nächste, und die nächste, und mich daran entlanggehangelt, ohne jemals wirklich ins Straucheln zu geraten.

Und heute ging es mir wieder so: Gestern mußte ich noch eine Nullrunde einlegen – ich kann sie mir leisten, habe einen zwei-Tages-Vorsprung vor dem Monatsziel – vordergründig, weil ich ausgerechnet an meinem freien Tag Abenddienst in der Bibliothek schieben mußte, in Wahrheit aber, weil ich keine Ahnung hatte, was ich schreiben sollte. Jeden Tag sagt mir mein Plot »Bis hierher und nicht weiter« – erst war ich am Ende, nachdem ich Roashan in die Zitadelle verschleppt hatte, dann gingen nochmal 130 Seiten damit drauf, daß sein toter Kumpel Shaun alles in Bewegung setzt, ihn wiederzufinden, und am Ende selbst in der Zitadelle landet, und dann war ich doch an dem Punkt angekommen, wo ich mir eingestehen mußte, daß ich mit dem Plot am Ende bin.… Weiterlesen