Lassen Sie mich durch, ich bin Autor!

Ich bin krankgeschrieben und kaum aus meinem Bett zu bekommen – der Versuch, bei dem Psychiater, den mir mein Hausarzt empfohlen hat, ist bislang an den Sprechzeiten gescheitert, die leider auf Webseite und Anrufbeantworter nicht übereinstimmen, also bleibt es behandlungsmäßig noch beim Bewährten – aber fürs Fernsehen reicht es immer. Also habe ich die ersten Folgen von Castle gesehen, einer Krimiserie, bei der ein Autor der Polizei hilft, Verbrechen aufzuklären. Krimis liebe ich ja schon lange, und ein Autor bin ich auch, es hätte also genau die Serie für mich sein müssen – ist es aber nicht. Die Figuren sind schablonenhafte Stereotypen, und damit meine ich nicht nur die Nebenrollen, sondern auch die Hauptfiguren – jeder scheint genau eine Charaktereigenschaft zu haben, die dann bis zum Gehtnichtmehr aufgeblasen wird.

Der Autor ist ein selbstverliebter Frauenheld, der bei Autorenlesungen bevorzugt auf dem Dekolleté signiert, die Polizistin die typische toughe-aber-süße Pistolenbraut, die Tochter die rechtschaffen-gute Streberin und die Mutter die billigste alternde Diva, die man sich nur vorstellen kann, ohne darauf einzugehen, daß dieser Typ eigentlich ausgestorben ist, als Heroin das Morphium vom Markt verdrängt hat, und überhaupt ist die einzig wahre TV-Nymphomanin Blanche von den Golden Girls. Es gibt keine Charakterentwicklung – wie auch, ohne Charakter!… Weiterlesen

Kein Platz in dieser Herberge

Wir sind mitten im Advent, es ist eine Zeit der Freude, der Hektik und des Schnees. Eigentlich sollte ich also gut drauf sein, aber das Gegenteil ist der Fall. Seit Wochen bin ich müde und erschöpft, schlafe ununterbrochen, und wenn ich nicht schlafe, würde ich es zumindest gerne. Ich habe eine wache Phase, in der es mir verhältnismäßig gut geht, zwischen 18:00 und 21:00 Uhr und baue danach wieder rapide ab. Vermutlich hängt es mit meinen Depressionen zusammen; ich hatte letzte Woche meinen großen Ab-35-Gesundheitscheck, und der hat nichts ergeben, was organisch zu solcher Erschöpfung führen könnte. Ich bin abgearbeitet und ausgebrannt, und das schlägt mir jetzt auf die Psyche.

In der vergangenen Woche, am Donnerstag, hatte ich einen Termin bei meiner Nervenärztin, und sie hatte mir angeboten, mich für eine Woche krankzuschreiben, was ich abgelehnt habe – schon weil auf der Arbeit eine Kollegin krankheitsbedingt seit ein paar Wochen ausgefallen ist und ich vertretungsweise ihre Arbeit mache, so gut ich kann, allerdings begleitet von Angstzuständen was passiert, wenn sie wiederkommt und sieht, was ich aus ihren Daten gemacht habe. Ich dachte auch, über das Wochenende – das für mich mit einem freien Freitag anfängt – könnte ich mich hinreichend erholen.… Weiterlesen

Gib mich den Hattrick

Zugegeben, viel Jahr ist nicht mehr übrig von 2010. Wir haben jetzt Dezember, und wenn der auch auf den ersten Blick 31 Tage hat (ja, auch auf den zweiten und auf jeden anderen), fallen doch viele davon schreibtechnisch weg – an zwei Wochenenden besuchen wir Freunde, dann kommt Weihnachten, dann kommt Silvester, und dann haben wir auch schon 2011. Trotzdem habe ich beschlossen, in diesem Jahr noch großes zu vollbringen und mir mit einem literarischen Hattrick Unsterblichkeit zu erkaufen.

Falkenwinter ist am 31. Oktober fertig geworden, aber das reicht mir nicht. Die Elomaran sollen erst einmal ruhen, was die Vermittlung angeht, die Erfahrung hat gezeigt, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, als Erstautorin mit einem Zyklus in sich nicht abgeschlossener Bände den Buchmarkt zu stürmen. Gesucht wird daher der perfekte Einbänder, und den habe ich auch mit der Gauklerinsel – aber die hat einen kleinen Schönheitsfehler: Sie ist noch nicht fertig. Gute vier Kapitel fehlen noch und ein kurzer Epilog, und ich habe meinen Agenten und vor allem mir selbst versprochen, daß das Buch noch in diesem Jahr fertig ist.

Und weil es Sinn macht, noch ein zweites Eisen im Feuer zu haben und eine andere Schiene zu bedienen, zum Beispiel das Jugendbuchsegment, soll auch mein Geigenzauber fertig werden.… Weiterlesen